Supervision in der psychologischen Ausbildung – die Brücke zur erfolgreichen Praxis

Supervision ist fester Bestandteil jeder professionellen psychologischen Ausbildung. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass sich hinter dem Begriff verschiedene Inhalte verbergen und Ausbildungsinstitute die praktische Umsetzung zum Teil sehr unterschiedlich gestalten. An der Akademie für Individualpsychologie stellen wir höchste Ansprüche an die Qualität unserer Kurse, deshalb möchten wir Ihnen heute die Supervision aus individualpsychologischer Sicht vorstellen. Lassen Sie sich inspirieren!

Ruth Bärtschi

Supervision: darum geht’s!

Das Wort Supervision (lat. „von-oben-betrachten“) beschreibt bereits den zentralen Aspekt des Prozesses: Mithilfe eines sogenannten Supervisors reflektieren Auszubildende genauso wie erfahrene Beratungspersonen das eigene berufliche Handeln. Supervision ist keine Therapie und auch keine Schulung. Vielmehr wird ein Problem oder Beratungsanlass aus verschiedenen Blickwinkeln mit einem gezielten Wissens- und Erfahrungsvorsprung der supervidierenden Person betrachtet.

Gemeinsam mit dem Supervisor oder der Supervisorin erkunden Beratungspersonen und Auszubildende neue Perspektiven und erweitern ihren Handlungsspielraum.

Individualpsychologische Supervision setzt gezielte Akzente

In Supervisionsprozessen stehen folgende Themen im Zentrum:

  • die eigene Rolle als Beratungsperson
  • das eigene Verhalten und Handeln gegenüber den Ratsuchenden
  • persönliche Meinungen, Werte oder Reaktionsmuster
  • Fallsupervision – Reflexion der absolvierten Beratungseinheit
  • Wissenserweiterung

Diese Aspekte zeigen klar den Unterschied zu einer Therapie. Supervision legt den Fokus auf das professionelle Handeln – ausgehend von einer konkreten Situation im Beratungsalltag.

Ein Beispiel:

Herr T., seit 10 Jahren psychosozialer Berater, trägt in der Supervisionsgruppe einen Fall aus seiner Beratungspraxis vor. Zum ersten Mal ist er mit einer Klientin konfrontiert, deren Sohn wegen einer Suchterkrankung stationär behandelt wird. Die Gespräche wühlen den sonst sehr souverän agierenden Berater auf, nachts liegt er wach und grübelt. Gemeinsam mit den Anwesenden sucht Herr T. nach einer Strategie, um emotional und gedanklich mehr Abstand zu gewinnen. Im Laufe der Supervision erinnert er sich an Szenen aus seiner Kindheit. Er erkennt, dass sein Vater „regelmässig zu viel trank“ und dies zu heftigen Konflikten in der Familie führte. Im Supervisionsprozess kann Herr T. einerseits überlegen, ob er sich aktuell in der Lage sieht, seine Klientin weiter zu begleiten. Andererseits neue, eigene Handlungsstrategien zu erkennen und umsetzen zu lernen.

Die Aufgabe des Supervisors liegt unter anderem darin, das Verständnis für die Situation zu erweitern. Herr T. hatte sich so intensiv auf seine Klientin konzentriert, dass ihm die eigene Geschichte erst während der gemeinsamen Analyse bewusst wurde. Er und die anderen Beratungspersonen gewinnen aus der Supervision die Erkenntnis, dass sie ihre persönliche Betroffenheit ernst nehmen und ihr nachgehen dürfen. Darüber hinaus können sie lernen, dass eine Beratungsperson nicht allen Ratsuchenden die Unterstützung bieten kann, die sie ihnen geben möchte – und dass es in Ordnung ist, sie oder ihn an eine Kollegin zu verweisen.

Supervision in der individualpsychologischen Ausbildung: viel mehr als ein Impuls

Im Gegensatz zu einem weit verbreiteten Verständnis von Supervision, setzt die Individualpsychologie auf einen lösungsorientierten, positiven Ansatz. Sie nutzt zum Beispiel ressourcen- und lösungsfokussierende Fragen, die das Erkunden des eigenen Verhaltens und die Existenz von persönlichen Mustern, in Bezug auf die zu supervidierende Beratung thematisieren.

Im Verlauf einer Beratungskarriere können sich bestimmte Persönlichkeitsanteile, Sichtweisen, Handlungen oder Blockaden unbemerkt in den Beratungsalltag einschleichen und verfestigen. Diese beeinflussen den Beratungsprozess und können nur durch Supervision bewusst werden.

Was ist positive Supervision?

Die individualpsychologische Grundhaltung von Wertschätzung, Respekt und Achtsamkeit schafft in der Supervision den idealen Raum, um den Denkrahmen zu erweitern. Gefühle wie Rat- und Hilflosigkeit oder Unsicherheit finden ihren Platz und die Beratungsperson erlebt Verständnis und erhält fachliche Unterstützung. Der Blick der Ermutigung fördert unerkanntes Potential und neue Sichtweisen. Darüber hinaus erlaubt der Fokus auf den Verlauf der Beratung Klarheit und Handlungssicherheit. Die wertfreie Reflexion der eigenen Persönlichkeit und der eigenen Anteile fördern zudem die Eigenkompetenz.

Supervision mit Humor

Supervisionssitzungen stehen allgemein nicht in dem Ruf, vergnügungspflichtig zu sein. Gelingt es jedoch, eine schwierige Situation mit einer humorvollen Bemerkung zu entschärfen – eine freundliche kleine Frechheit, eine absurde Übertreibung, ein lustiger Vergleich – weicht aus den Gesichtern die Anspannung. In dieser Atmosphäre gelingen Lernerfolge, die unter Stress unmöglich erscheinen.

Wann ist Supervision sinnvoll?

Grundsätzlich ist die Reflexion der eigenen Beratungstätigkeit und die Wissenserweiterung immer sinnvoll. Die Teilnehmenden der Supervision bauen dabei kontinuierlich ihre berufliche Kompetenz aus, gewinnen Sicherheit für den Praxisalltag und stärken ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion. In manchen Situationen, etwa bei dem Gefühl der Überforderung oder wenn eine Beratungsperson ihre Eignung für den Beruf bezweifelt, ist eine Supervision dringend angezeigt. Supervisionen finden in Einzel- und Gruppensettings statt.

Wer kann eine Supervision leiten?

Für eine erfolgreiche, professionelle Supervision sind mehrere Bedingungen erforderlich. Folgende Aspekte sind dabei zentral:

  • Fachliche Kompetenz: Die Leitung hat fundiertes Wissen in allen Bereichen der psychosozialen Beratung wie Einzelberatung, Familien- und Eheberatung.
  • Klare Zielsetzung: Die Ziele in der Supervisionssitzung sind klar definiert. Dies erhöht die persönliche Beratungskompetenz.
  • Methodenkompetenz: Ein breites Spektrum an Methoden, gruppendynamische Techniken und tiefenpsychologische Ansätze werden genutzt, um die Reflexion der Teilnehmenden zu fördern.
  • Beziehungsgestaltung: Die Leitung der Supervision schafft einen vertrauensvollen Rahmen und ermöglicht Offenheit und Ehrlichkeit. Dies ist entscheidend für den Erfolg des Prozesses.
  • Ethik und professionelle Haltung: Die Wahrung der Schweigepflicht, die Neutralität und die Achtsamkeit im Umgang mit dem offenbarten Inhalt der Supervision, sind essentielle ethische Grundsätze in der Supervision. Die Haltung gegenüber den Supervisanden und Supervisandinnen ist geprägt von Wertschätzung, Offenheit, Respekt und Gleichwertigkeit. Die Atmosphäre ist urteilsfrei und wohlwollend.
  • Reflexion und Feedback: Die Supervisionsleitung ermutigt die Teilnehmenden zur Selbstreflexion und gibt gezieltes Feedback, um das Lernen und die berufliche Weiterentwicklung zu fördern.

Was ist der Unterschied zwischen Supervision und Intervision?

Kurz gesagt lautet die Antwort: Während die Supervision professionell geschulte Experten und Expertinnen leiten, beraten sich in der Intervision Kollegen und Kolleginnen gegenseitig ohne weitere Unterstützung.

Intervision: Inhalt und Ablauf

Intervision ist eine kollegiale Beratung, in der Fachkräfte sich gegenseitig in beruflichen Fragen unterstützen. Es handelt sich um einen strukturierten, selbstorganisierten Austausch unter Gleichgestellten, die gemeinsam berufliche Herausforderungen besprechen, reflektieren und Lösungen erarbeiten.

Ruth Bärtschi

Gestaltungsvorschlag für die Intervisionsgruppe: Phasen und Arbeitsschritte

Regelmässige Intervision ist die ideale Ergänzung zur Supervision. Es verbessert die kollegiale Zusammenarbeit und den Teamgeist in Institutionen und stärkt Beratungspersonen in ihrer eigenen Praxis.

So organisieren Sie eine Intervision:

  1. Themen bestimmen

Wer hat heute ein Anliegen mitgebracht? Wenn alle Themen kurz dargestellt sind, entscheidet die Gruppe darüber, welche Themen sie bearbeitet.

  1. Fallpräsentation

Der erste ausgewählte Fall wird vorgestellt. Dabei sollte die Vorgeschichte, der aktuelle Stand, die beteiligte Institution, die Ziele, Erwartungen der beteiligten Parteien, das Beratungsgeschehen und der Beratungsbedarf aufgezeigt werden. Die Fragen der Beratungsperson an den Kollegenkreis müssen klar formuliert sein.

  1. Nachfragen aus dem Kollegenkreis

Soweit es für das Verständnis der Situation notwendig ist, sind Verständnisfragen zulässig.

  1. Situationsanalyse und Hypothesenbildung

Nun folgen die Rückmeldungen der Gruppe zu den Aspekten: Einschätzung der Situation, der Ursachen und Zusammenhänge, der individuellen Assoziationen und Gefühle während der Fallpräsentation sowie Handlungsempfehlungen.

  1. Erkenntnisgewinn für die Person im Hinblick auf den Beratungsprozess

Die Person, die den Fall eingebracht hat, hört aufmerksam zu und antwortet erst am Ende, welche Aussagen sie für zutreffend hält.

  1. Ergebnissicherung und Abschluss

Nun stellt die Beratungsperson dar, welche Erkenntnisse sie aus der Intervision mitnimmt. Was ist ihr klarer geworden? Was noch nicht? Was kann als Nächstes getan werden?

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

Supervision auf höchstem Niveau

Sie sind auf der Suche nach einer Fachperson für Ihre Supervision? Ruth Bärtschi schafft durch ihre aufrichtige Empathie, ihren Humor, ihrer enormen Beratungs-, Ausbildungs- und Wissenskompetenz ein Setting, welches Sie begeistern wird. Die positive Supervision und die Individualpsychologie bilden die Grundlage ihrer Arbeit.

Ruth Bärtschi ist seit 1999 ausgebildete individualpsychologische Beraterin mit Diplom und seit 2014 Beraterin im psychosozialen Bereich mit eidgenössischem Diplom, Veränderungscoach und Supervisorin. Sie führte 14 Jahre lang eine eigene psychologische Beratungspraxis und war in den letzten 18 Jahren Gründerin und Leiterin der Akademie für Individualpsychologie in Glattbrugg. Durch ihre langjährigen Einzel- und Gruppenerfahrungen, ihre umfassenden Ausbildungen und internationalen Weiterbildungen hat sie sich eine exzellente Kompetenz aufgebaut.

Standort: Zürich-Oerlikon

Das Angebot umfasst Einzelsupervision oder Gruppensupervision bis zu drei Personen. Die Termine sind auch online durchführbar und zu einhundert Prozent von der Schweizerischen Gesellschaft für Beratung SGfB anerkannt.

Termine und Anfragen nehmen wir gerne unter der Telefonnummer 079 462 40 79 entgegen.

Weitere Informationen erhalten Sie hier.

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